Auf Reisen haben Paul und Marc die Aromen Asiens selbst erkundet. Mit Kakuzo Spirituosen vereinen die Berliner fernöstlichen Geschmack und europäische Trinkkultur. Dabei schaffen sie Kreationen aus Vodka und Tee, Gin mit Mandarine oder kombinieren Kirsch-Bitter mit Enzian.
Gespräch mit Paul Meinert von Kakuzo
Paul, für Kakuzo verwendet ihr fernöstliche Zutaten und Früchte. Wie schmeckt eine Yuzu und was ist eine Kalamansi?
Yuzu ist eine hybride Kreuzung aus Zitrone und Mandarine. Die gelben Früchte haben eine schrumpelige Schale, schmecken säuerlich-herb und aromatischer als Zitronen. Sie stammen vor allem aus Japan, Korea und China. Ein Yuzu-Baum muss zehn Jahre wachsen, bevor er die ersten Früchte trägt. In Deutschland sind die Früchte eine Seltenheit und für den normalen Hausgebrauch sehr teuer.
Kalamansi ist eine philippinische Limette mit feinem, leicht süß-säuerlichem Aroma. Die Früchte sehen aus wie Limetten, sind aber nur kirschgroß und schmecken fruchtig und sehr erfrischend. Beide Früchte sind in Asien als Aromaspender unverzichtbar, auch die gehobene Gastronomie verwendet sie gern – und in Spirituosen geben sie eine ganz eigene, exotische Note.
Wie verbindet ihr die asiatische mit der europäischen Geschmackswelt?
Kakuzo ist eine Berliner Marke, die asiatisch inspiriert ist. Wir kombinieren die fernöstliche Geschmackswelt und ihre Rohstoffe mit europäischer Trinkkultur. Für unseren Yuzu Gin Liqueur verwenden wir japanische Yuzu, und beim Tea Infused Vodka verbinden wir asiatischen Tee mit Vodka. Unser Organic Dry Gin besteht aus Yuzu, Mandarine, Zitronengras, Koriander und Pfeffer.
In der japanischen Kultur geht es oft um Yin und Yang, also das Gleichgewicht in einem selbst und in der ganzen Welt. Wir stellen das richtige Gleichgewicht zwischen Alkoholgehalt, Rohstoffen und Geschmack her.
Und hinter dem Namen Kakuzo verbirgt sich der Meister des Tees?
Wir sind beide viel in Asien gereist und haben dort eine völlig andere Welt der Aromen kennengelernt. Die Idee war: Lass uns das, was wir dort an Geschmack erleben, mit europäischer Spirituosenkultur verbinden. Als Asien-Fans wollten wir unsere Leidenschaft direkt transportieren. Unsere erste Spirituose war der Tea Infused Vodka.
Ich habe in Asien auch gelebt, und irgendwann hörst du dann von einem Herrn Okakura Kakuzō. Der japanische Schriftsteller verfasste Anfang des 20. Jahrhunderts für die westliche Welt The Book of Tea. Kakuzō erklärte den ahnungslosen Europäern, was sich mit Tee alles machen lässt, und schrieb über Zeremonien, Trinkverhalten und Genuss. Damit konnten wir uns identifizieren: Für einen guten Drink solltest du dir Zeit nehmen und den Moment genießen. Wir haben geprüft, ob wir den Namen verwenden dürfen, und das hat zum Glück geklappt.
Auf Sri Lanka hast du eine Teeplantage selbst besucht?
Ja, dort habe ich mir zum ersten Mal eine Teeproduktion angesehen. Einmal im Jahr mache ich mit Freunden eine Weinreise. Winzer haben ein sehr offenes Gemüt, und bei ihnen geht es viel um Genuss. So war das auch auf der Teeplantage. Die Menschen hatten eine große Leidenschaft für die Sache. Dahinter steckt viel handwerkliche und körperliche Arbeit. Jeder Strauch und jedes Blatt muss genau begutachtet und beschnitten werden. Das ist ein riesiger Aufwand.
Für den Tea Infused Vodka habt ihr einen eigenen Tee-Blend kreiert?
Ja, wir wussten, dass wir einen hochwertigen Tee brauchen. Wir sind nach Hamburg zum Teekontor gefahren und haben uns dort vier oder fünf Stunden eingeschlossen. Das Teearoma sollte in Verbindung mit dem Vodka bestehen bleiben und nicht untergehen. Wir wollten einen Schwarztee, der blumig und leicht fruchtig, aber nicht zu bitter schmeckt.
Dann habt ihr das ganze Teesortiment durchprobiert?
Wir haben an die 60 Sorten getestet, bis unsere Zungen durch den konzentrierten Tee taub und voller Tannin waren. Dann haben wir sechs Sorten favorisiert und uns zu Hause für eine Mischung aus Tees aus Japan, China und Indien entschieden. Außerdem verfeinern wir unseren Tee-Blend mit einem selbst entwickelten Bergamotte-, Grapefruit- und Limettenöl. Die Mischung entspricht unserer Vorstellung von einem Earl Grey – wie er im Glas schmeckt, zeigt der Longdrink Kakuzo Earl Grey Lemon.
Marc und du, wie lange kennt ihr euch schon?
Marc und ich sind seit unserer Jugend befreundet und haben schon zusammen Fußball gespielt. Wir haben Kakuzo gemeinsam gegründet und zusammen Marktstrategien entwickelt. Ich selbst habe im Einkauf und Marketing eines großen Getränkehandels gearbeitet und hatte jeden Tag eine andere Flasche in der Hand. Da kam der Wunsch nach einem eigenen Produkt auf. Die Leidenschaft für Spirituosen habe ich seit dem Studium, da habe ich oft mit Freunden Bars besucht. Ich muss mich manchmal kneifen, dass wir heute schon vier Produkte haben. Das Ganze war ja ein Risiko, denn ich habe einen sicheren Job aufgegeben. Das schaffst du nur, wenn du voll dahinterstehst.
Warum ist euer Tea Infused Vodka tiefrot?
Die meisten denken, dass wir den Tee aufbrühen und mit dem Vodka mischen. Aber dann wäre es kein Flavoured Vodka mehr. Bei uns mazerieren die Teeblätter stundenlang im Alkohol. Die Ziehzeit darf aber nicht zu lang sein, sonst schmeckt der Tee bitter. Die Flüssigkeit wird leicht erwärmt, sodass wir noch mehr Noten aus dem Tee herausholen. Das spiegelt sich im vollen Aroma und in der intensiven Farbe wider.
Mittlerweile habt ihr vier Kakuzos im Sortiment. Dabei habt ihr sogar eine neue Kategorie in der Spirituosenwelt angestoßen?
2019 waren wir mit unserem Gin Likör einer der Ersten. Damit haben wir eine neue Spirituosen-Kategorie angestoßen, denn damals gab es eigentlich nur Gin oder Likör. Heute gibt es Gin-Liköre wie Sand am Meer. Unser Tea Infused Vodka gehört zu den Flavoured Vodkas, also zu einer bereits bekannten Kategorie. Normalerweise enthalten Flavoured Vodkas aber künstliche Aromen und Zucker.
Wir arbeiten bewusst mit echten, hochwertigen Zutaten – keine Aromakonzentrate. Echter Tee, echte Zitrusfrüchte, echte Botanicals. Unser eigens zusammengestellter Tee-Blend zieht im Vodka ohne Zucker oder Zusatzstoffe. Jede Spirituose hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene Inspiration aus unseren Asienreisen.
Daneben gibt es auch noch einen Kakuzo Bitter und einen Kakuzo Gin?
Ja. Bei Bitter denken viele an Kräuterschnaps. Wir verbinden Bitter aber mit italienischen Aperitivi, also mit Aperitifs und spannenden Cocktails – deshalb kombiniert unser Cherry Bitter fruchtige Kirsche mit herbem Enzian. Für den Bitter und den Gin Likör verwenden wir etwas Zucker, denn Liköre leben von ihrer Süße.
Beim Gin gibt es viele Stilrichtungen, etwa Dry Gin oder New Western Style Gin. Wir haben uns für eine klassische Variante entschieden und stellen unseren Gin im Verfahren des London Dry Gin her. Unser Gin schmeckt dominant nach Wacholder und frischen Zitrusnoten. So gefällt er uns am besten.
Wo genau stellt ihr eure Spirituosen her?
Eine eigene Destille haben wir nicht. Das wäre für eine junge Firma viel zu teuer. Von Anfang an hatten wir einen guten Kontakt in den Schwarzwald zu einer alten Obstbrennerei. Seit drei Jahren arbeiten wir zusammen, und wir sind sehr zufrieden.
Kois, Kirschblüten und Drachen zieren kunstvoll eure Flaschenetiketten. Wofür stehen die Bilder?
Wir haben uns vor allem mit der japanischen und chinesischen Mythologie befasst, um unsere Produkte authentisch zu gestalten. Der Drache symbolisiert zum Beispiel das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang. Der Koi-Karpfen steht für Stärke, Ausdauer und Strebsamkeit – Werte, die tief in der japanischen Kultur verankert sind. Auch Reichtum, Glück und Erfolg werden mit dem Koi verbunden.
Die Farbe Rot hat in Japan eine besondere Bedeutung: Viele Gelehrte haben über die aufgehende Morgenröte als Symbol für den neuen Tag geschrieben. Gold steht für Macht, Reichtum, Weisheit, Kontrolle und Geduld. Diese beiden Farben verwenden wir beim Tea Infused Vodka. Wir möchten aber auf keinen Fall jemandem zu nahe treten oder uns an der asiatischen Mythologie vergreifen. Da sind wir sehr vorsichtig.
Wie wird ein Kakuzo richtig getrunken?
Grundsätzlich eignet sich Kakuzo sehr gut zum Mixen und als Basis für Cocktails und Longdrinks auf Eis. Auf Messen merke ich aber immer wieder, dass es auch Geschmackssache ist. Unseren Tea Infused Vodka empfehle ich trotzdem mit Bitter Lemon. Der Drink erinnert an Eistee und ist ein tolles Getränk für den Sommer. Die meisten mögen das.
Für den Gin passt Ginger Beer wunderbar, etwa im Kakuzo Buck oder im Kakuzo Mule mit Yuzu und Limette. Der Cherry Bitter spielt seine Stärken im Kakuzo Bitter Tonic und im Negroni Kakuzo aus.
Hast du eine Rezeptempfehlung, die du besonders gern magst?
Ich bin ein großer Liebhaber von Sours. In der Barwelt geht es dabei um eine Kombination aus Süße, Säure und der gewünschten Spirituose. Unseren Tea Infused Vodka finde ich als Sour besonders lecker: einfach mit Zitronensaft und Zuckersirup kräftig shaken. Für ein schaumiges Erlebnis kommt noch Eiweiß dazu. Oder du verfeinerst den Drink mit Maracujasaft. Dann verbinden sich die Teenoten mit Süße, Säure und Frucht.
Mehr rund um Kakuzo und Gin
Warum Paul und Marc ein Faible für den Negroni haben, erzählen die beiden im Beitrag Asia Style – Negroni Kakuzo. Für kalte Tage gibt es den heißen Kakuzo Vodka Ingwer mit frischem Ingwer und Honig. Wer tiefer in die Welt der Wacholderspirituose eintauchen will, liest unseren Gin Ratgeber und den Beitrag zu den Gin Botanicals.
Alle vier Kakuzos findest du in der Kollektion Kakuzo. Weitere Gins aus kleinen Brennereien gibt es in unserer Kategorie Gin, Fruchtiges und Bitteres für Aperitif und Digestif unter Liköre.